Geschlechterfallen oder die “Wahrheit” über Frau und Mann

Im Zeitalter der political correctness nimmt die Verwirrung zu, häufen sich manchmal etwas abwegige Theorien über naturgegebene Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Mann und Frau. Dabei konkurrieren in unserem Denken oft die 1. Natur (Biologie) mit der 2. Natur (Kultur), wobei unsere 3. Natur (Rationalität) mal der Ersten und mal der Zweiten zur Seite steht. In diese Gemengenlage ein wenig Ordnung zu bringen, ist eines der Ziele des Seminars Geschlechterfallen oder die “Wahrheit” über Frau und Mann. Dabei geht es natürlich nicht um “die” Wahrheit, sondern um eine Verschiebung unseres Fokuses weg von der Zweiteilung, der Dichotomie von Frau und Mann hin zu einem Kontinuum, auf dem sich weibliche und männliche Attribute und Eigenschaften unterschiedlich ausprägen können. Denn – soviel sei gleich zu Beginn verraten – die Bandbreite innerhalb der Geschlechter ist bei vielen Studien größer als die gemittelten Unterschiede zwischen Mann und Frau.

In vier Einheiten werden Ideen aus der Psychologie, Biologie, Stochastik, Evolution und der Paläoantrophologie beleuchtet, um so die vielen Geschlechterfallen besser zu verstehen und vielleicht vermeiden zu können. Wenn es die Gruppenkonstellation erlaubt, wird auf die Methode einer systemischen Aufstellung zurückgegriffen, um die bestehenden Spannungen für alle sichtbar zu machen und an Veränderungen zu arbeiten.

Unter Aufstellungsarbeit versteht man das Aufdecken von Störungen und Blockaden in Systemen

Im ersten Teil der Veranstaltung zu Geschlechterfallen oder die “Wahrheit” über Frau und Mann wird anhand der aktuellen Debatte über Geschlechtergerechtigkeit im Sinne des Grundgesetzes, die oft als Geschlechtergleichheit verstanden wird, die biologischen Grundlagen reflektiert und in Beziehung zur kulturellen Evolution gesetzt, um das immer noch vorherrschende, paternalistische System zu verstehen. Der biologischen Evolution ist es übrigens egal, ob Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern herrscht. Hier spielt der Zufall die entscheidende Rolle – und natürlich der Reproduktionserfolg. Die zweite Einheit beschäftigt sich mit Sex, Gender und der Psychologie der Geschlechter. Wer verwendet welche Begriffe auf Grund welcher Theorien? Was trägt die Psychologie zur Aufklärung oder aber zur Verfestigung von bestehenden Stereotypen bei?

Der ‘fundamentale Attributionsfehler’ bezeichnet die Neigung, den Einfluss dispositionaler Faktoren auf das Verhalten anderer systematisch zu überschätzen und äußere Faktoren zu unterschätzen

Dabei liefern die Attributionsfehler, denen wir Menschen allzu oft erliegen, interessante Hinweise, die sich auch in der Genderfrage spiegeln. Die dritte Einheit ist praktischen Beispielen vorbehalten, die ggf. in Form einer systemischen Aufstellung für das Arbeitsumfeld oder intrapersonell für die verschiedenen, möglicherweise divergierenden Rollen durchgespielt werden können. In der vierten Einheit Umgang mit schwierigen Situationen und die Rolle des Zufalls geht es um die Reflexion des eigenen Verhaltens und einer Würdigung des Zufalls, der bei all diesen Fragen eine entscheidende Rolle spielt. Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann werfen Sie doch einen Blick auf die Seminar-Seite mit den Terminangeboten.

Bild von Peggy und Marco Lachmann-Anke auf Pixabay

Das Seminar richtet sich an alle Interessierte – ob Mann oder Frau oder dazwischen – und wird in zwei Versionen angeboten: als Schwerpunktveranstaltung einen ganzen Samstag lang mit gemeinsamem Mittagessen im benachbarten Landhotel Moorhof oder an vier Abenden für jeweils anderthalb Stunden. Bei schönem Wetter sind die Sitzungen draußen geplant, bei schlechtem Wetter in der Scheune über der Praxis im Wald. Die Kosten betragen pro Teilnehmenden 100,- € exklusive Verpflegung. Bei Interesse schicken Sie bitte eine e-mail an mail@praxisimwald.de.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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