Familienbeziehung und Macht-Distanz

Familie ist das, was uns prägt – ob wir wollen oder nicht. Dabei ist der Begriff nicht auf die leibliche Familie beschränkt, sondern schließt alle wichtigen Bezugspersonen mit ein, die wir als Babys und Kinder hatten. Die Entwicklungspsychologie hat gezeigt, dass die frühen Phasen für jeden Menschen hinsichtlich seiner Bindungsfähigkeit entscheidend sind. Viele Schemata und Verhaltensmuster werden hier angelegt. Das heißt nicht, dass man sich im Laufe des Lebens nicht mehr verändert, aber wenn es um die Ausprägung von Beziehungen und dem Verhältnis zur Macht geht, sind die ersten beiden Lebensjahrzehnte entscheidend.

Fast alles Wichtige im Leben hat mit Beziehungen zu tun

Wir haben viele verschiedene Arten von Beziehungen erlebt und transportieren manches Grundmuster aus unserer Kindheit von einer Partnerin oder einem Partner zum nächsten. Das kann zu vielen glücklichen Momenten führen, aber auch zu fortgesetzten Problemen, wenn wir in unserer Kindheit keine verlässlichen Beziehungen respektive Bindung erfahren haben. Denn eines der Grundbedürfnisse des Menschen ist das nach Bindung. Nach dem Pionier der Entwicklungspsychologie John Bowlby (1907 – 1990) fußt psychische Gesundheit auf einer warmen, innigen und dauerhaften Beziehung zur Mutter (oder einer ständigen Ersatz-Mutterfigur). Es ist wichtig, dass beide Freude und Erfüllung in dieser Beziehung finden.

Reparenting oder Nachbeelterung

Sollte uns diese Bindungserfahrung als Säugling nicht zu teil geworden sein, kann es vorkommen, dass wir zeit unseres Lebens diese Art von Beziehung suchen und nachholen wollen. Die Psychotherapie bzw. die Beratungssituation können bis zu einem gewissen Grad diesen Mangel ausgleichen. Denn die funktionierende Beziehung zwischen dem Therapeuten/Berater und dem/der Klient/in ist an sich schon eine wirksame Medizin und die Basis für die Veränderungsarbeit. Aus der Familientherapie kommend hat sich dafür der Begriff des ‚Reparenting‘ oder der ‚Nachbeelterung‘ etabliert. (…)  

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen

Wer die Welt verändern will, muss die Familie verändern (Virginia Satir)

Zu den Herausforderungen für jeden von uns gehört es, dass man sich mit den Prägungen durch die Eltern oder durch andere Bezugspersonen auseinandersetzen muss und dass man ggf. maladaptive Muster bearbeitet und in passendes bzw. sozial akzeptiertes Verhalten umwandelt. Das kann unter Umständen aufwändig und anstrengend sein, aber es ist die Mühe wert. In der Beschäftigung mit den Beziehungen zu Angehörigen oder wichtigen Akteuren kann Energie freigesetzt werden, die bisher im latenten Konflikt mit dem Vater oder der Schwester gebunden ist. Entsprechend der Gestalttherapie können die Beziehungsmuster aktualisiert und durchgearbeitet werden. Dabei kommt die Stühle-Arbeit als Methode ebenso in Frage wie das Nachstellen mancher Situation mit Tierfiguren. Wichtig ist, dass die Symbole entsprechend aufgeladen werden und dies in ihrer Positionierung zum Ausdruck kommt. (…)

Macht-Distanz als Gradmesser für kooperatives Verhalten

Die Sonne kann im Wald Orientierung bieten

In der Beratungssituation kommt neben der dyadischen Beziehung (Ich-Du) der Position des emphatischen Beobachters eine besondere Rolle zu. Das Spiegeln im Zusammenspiel mit der sokratischen Fragetechnik hilft den eigenen Standpunkt neu zu bedenken, die eingefahrenen Rollen anders zu bewerten. Hier geht es um Kommunikationsstile, die wir auf Grund unserer Beziehungserfahrungen entwickelt haben und die nebenbei auch viel über unser Verhältnis zur Macht aussagen. Mit dem Begriff Macht-Distanz ist der eigene Umgang mit Dominanz, Hierarchien und Abhängigkeiten gemeint. Diese können von einem selbst ausgehen und/oder auf einen wirken. Der Begriff der Macht-Distanz wurde im Rahmen der Erforschung der Unternehmenskultur von Geert Hofstede als eine der Kulturdimension herausgearbeitet. Je geringer der Grad der Macht-Distanz ist, desto flacher gestalten sich die Hierarchien und desto kooperativer ist ein Unternehmen aufgestellt. Was im Kontext des Vergleichs verschiedener Unternehmenskulturen weltweit entwickelt wurde, hat auch seine Berechtigung für den Einzelnen bzw. für gesellschaftliche Gruppen. Damit eng verbunden ist auch das Macht-Streben. (…)

Wenn Sie Ihren Bindungsstil bestimmen wollen, dann machen Sie doch einen Termin aus unter mail@praxisimwald.de oder besuchen das dazu gehörige Seminar. Dann können wir uns gemeinsam anschauen, welche Auswirkungen Ihr Bindungsstil auf Ihr Kommunikationsverhalten hat und in welchem Macht-Verhältnis Sie stehen.